Workshop „Mobilisierung von Recht in der pluralisierten Gesellschaft“

Datum & Uhrzeit: 19. Mai 2017 bis 20 Mai 2017, 00:00 Uhr
Veranstaltungsort: Evangelische Hochschule Berlin » Wo ist das?

 

Recht, das zeigen sozialwissenschaftlich informierte Perspektiven seit mehr als einem Jahrhundert, ist nicht auf einen statischen Gesetzestext zu begrenzen, sondern „lebt“ und befindet sich „in action“. Seine Funktionsweise verändert sich im Wechselspiel mit gesellschaftlicher Pluralisierung und politischem Kontext. In einer sozio-kulturell, arbeitsteilig und medial ausdifferenzierten Gesellschaft kann gerade Recht mit seinem Fokus auf individuelle Positionen eine erfolgversprechende Möglichkeit der Interessenverfolgung bieten: Die Einschaltung einer Anwältin ist bisweilen effektiver als die Etablierung einer politischen Initiative.

Recht als Forum für Interessenkonflikte enthält jedoch Asymmetrien in Bezug auf Wissen und Handlungsmöglichkeiten, etwa beim Zugang zur Justiz. Die Erfolgschancen vor Gericht sind abhängig von Ressourcen: ökonomische, sozialen wie kulturellen. Gesellschaftliche Machtverhältnisse – u.a. entlang der Ungleichheitskategorien soziale Klasse, Geschlecht und ethnische Herkunft – werden ins Recht eingespeist.

Angesichts der jüngsten Asylrechtsverschärfungen könnte sich zeigen, dass Mobilisierung von Recht politisch gewollten Exklusionen nicht viel entgegensetzen kann. Auch jenseits solcher legislativ gesetzten Unterscheidungen werden gesellschaftliche Ungleichheiten oft durch das Recht perpetuiert oder verstärkt, wie u.a. die Feministische Rechtstheorie und die critical race theory gezeigt haben. Eine materialistische Kritik an subjektiven Rechten gibt diesen gerade die Verantwortung für das Schwinden von kollektiver politischer Handlungsfähigkeit, da sie lediglich auf individuelle Lösungen zielen.

Recht kann aber auch kollektive Interessenverfolgung ermöglichen, wie z.B. bei Verbandsklagen im Umweltrecht, bei der gemeinschaftlichen Rechtsverfolgung im Arbeitsrecht oder ganz klassisch über die Figur der juristischen Person. Die Einbindung in einen kollektiven Zusammenhang kann dann auch für die Durchsetzung individueller Interessen bedeutend sein.

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