Versicherheitlichung der Gesellschaft. Queer-Feministische und rassismuskritische Perspektiven

Datum & Uhrzeit: 13. Jul 2017 bis 14 Jul 2017, 00:00 Uhr
Veranstaltungsort: Technische Universität Berlin » Wo ist das?

 

Gemeinsame D-A-C-H-Tagung 2017 der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der DGS, der Sektion Feministische Theorie und Geschlechterforschung der ÖGS und dem Komitee Geschlechterforschung der SGS.

Der Volksentscheid zum Brexit und die Wahl Donald Trumps zum neuen Präsidenten der USA sind die jüngsten Ereignisse in einer Serie von Entwicklungen, die deutlich machen, dass sich die demokratisch-kapitalistischen Gesellschaften in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befinden. Das schon seit längerer Zeit zu beobachtende Erstarken rechts-nationalistischer und neofaschistischer Strömungen in Europa und den USA deutet nicht nur darauf hin, dass die Legitimität und Hegemonie eines (neo-)liberalen Kapitalismus nachhaltig brüchig geworden sind. Es wird zudem deutlich, dass wachsende Teile der Mehrheitsgesellschaft nicht auf solidarisch-emanzipative, sondern autoritär-repressive und nationalistisch-rassistische Antworten setzen, um den Verunsicherungen und Ängsten zu begegnen, die durch die globale Krise des neoliberalen Kapitalismus und die dazugehörigen Bedrohungsszenarien produziert werden.

Eine Politik der Verunsicherung und Versicherheitlichung, die sicherheitslogische Antworten auf Unsicherheiten und gesellschaftliche Ressentiments ausbildet, die sie selbst (mit-)produziert, kennzeichnete schon den neoliberalen Strukturwandel des Staates im letzten Jahrhundert. Die Rücknahme wohlfahrtsstaatlicher Absicherungsversprechen wurde mit einem massiven Ausbau gruppenbezogener, repressiver Techniken kombiniert, die von der Kontrolle und Überwachung des Alltags bis hin zu vermehrter Kriminalisierung, Bestrafung, Einsperrung und Formen von Thanato-/ Nekropolitik reichen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 und dem seither ubiquitären ‚War on Terror‘ habensich im Namen der Sicherheit nicht nur eine Militarisierung und pilizeiliche Durchdringung des zivilen Lebens weiter verschärft.

Deutlich wurde zudem, dass die Expansion der Sicherheitsgesellschaft mit der biopolitischen produktion von zwei personengruppen einhergeht: Jene, die gefährdet sind und beschützt werden müssen, und solche, von denen die Gefahr ausgeht und die nicht als zu beschützende Subjekte gelten. Diese duale Einteilung verläuft entlang kolonial-rassistischer, klassenspezifischer, dis/ableisierter und vergeschlechtlichter Ordnungsmuster. In der gegenwärtigen politischen und ökonomischen Krise des neoliberalen Kapitalismus spitzen sich die rassistischen, heterosexistischen und klassenspezifischen Abwehrkämpfe zu, die auf solchen Ordnungsmustern aufsetzen und Sicherheitspolitiken sowie Logiken des Strafens regulieren.

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