Ringvorlesung Gender Studies „Recht und Geschlecht“

Datum & Uhrzeit: 7. Nov 2017 , 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Juridicum Dachgeschoß (Top floor) » Wo ist das?

 

Silvia Ulrich: Frauenrechte als Menschenrechte

Trotz der egalitären Versprechungen in den Anfängen des Konstitutionalismus und in den ersten Menschenrechtsverträgen blieb der Schutz von Frauen eine hochproblematische Leerstelle. Androzentristische Grundannahmen haben die Menschenrechtskonzeption wesentlich beeinflusst und die Effektivität der Menschenrechte für Frauen minimiert. Zur Beseitigung dieser Schutzdefizite wurde die Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW) verabschiedet. Sie gilt als die „Magna Charta der Frauenrechte“, weil sie die Lebensrealitäten und Diskriminierungserfahrungen von Frauen in den Mittelpunkt rückt. Der Vortrag wird die Bedeutung des Konzeptes „Frauenrechte als Menschenrechte“ beleuchten und zugleich die aktuellen Herausforderungen in den Blick nehmen, die mit diesem Ansatz verbunden sind.

Silvia Ulrich ist Universitätsprofessorin für Legal Gender Studies, Diversity und Antidiskriminierungsrecht an der Johannes Kepler Universität Linz und Vorständin des Instituts für Legal Gender Studies. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen ua Genderdimensionen der Grundrechte, Diskriminierungsschutz und positive Maßnahmen auf nationaler und internationaler Ebene.

Zur Ringvorlesung:

Die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts war nie ein bloßes soziales Phänomen. Vielmehr wurde (und wird) sie durch Recht normativ abgesichert und „legitimiert“. Schon aus diesem Grund musste eine Politik der Geschlechtergleichstellung immer auch Rechtspolitik sein, ging es doch darum, rechtliche Benachteiligungen abzubauen und im Weiteren das Recht als Medium zur Gleichstellung einzusetzen. Schließlich ist Recht ein bedeutendes Mittel zur Steuerung der Gesellschaft; es ist demokratisch legitimiert, auf die Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet und wird in institutionalisierter Weise durchgesetzt.

Die Vorträge der Ringvorlesung widmen sich der Frage, ob solche Hoffnungen berechtigt sind. Dabei wird zunächst ideengeschichtlich angesetzt: Im Rahmen einer umfassenden Geschlechterhierarchie wurde „Frau sein“ zunächst gar nicht als mit der aufklärerischen Idee freier Entfaltung vereinbar gesehen – unter Berufung auf die Natur der Geschlechter ebenso wie auf die ihnen zugeschriebenen typischen Räume, Öffentlichkeit und Privatheit. Diese Dichotomie ist auch ein zentraler Faktor für mangelnde Berücksichtigung von Frauenrechten als Menschenrechten, da wesentliche – im Privaten liegende – Gefährdungslagen gar nicht wahrgenommen werden konnten. Neue Komplexitäten der Wahrnehmung von Geschlecht wie von weiteren, mit dem Geschlecht verwobenen Diskriminierungsgründen werden im menschenrechtlichen Kontext, im europäischen Antidiskriminierungsrecht, aber auch im Flüchtlingsrecht untersucht. Und schließlich wird die Frage der Rechtsfindung als Frage nach der Handlungsmacht von JuristInnen gestellt – und danach, in welcher Weise Strukturen der Rechtsfindung gendersensibel gestaltet werden können.

 

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