Ringvorlesung Gender Studies „Recht und Geschlecht“

Datum & Uhrzeit: 24. Okt 2017 , 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Juridicum Dachgeschoß (Top floor) » Wo ist das?

 

Friederike Wapler: „Die Frau ist frei geboren – Feministische Perspektiven in der Rechtsphilosophie“

Gleiche Freiheit für alle – dieses Ziel gehört zu den großen Versprechungen des Rechts, von denen die europäische und amerikanische Geschichte geprägt wurde. Jedoch wurde und wird kontrovers diskutiert, was es bedeutet, „gleich“ zu sein und aus welchen Gründen Menschen berechtigterweise „ungleich“ behandelt werden dürfen. Das Geschlecht ist ein anschauliches Beispiel für diese Diskussion – über viele Jahrhunderte galt die „Natur der Frau“ als Rechtfertigung, ihr wesentliche Rechte vorzuenthalten und ihren Aktionsradius auf die häusliche Sphäre zu beschränken. Der Vortrag zeichnet die ideengeschichtliche Entwicklung dieses Denkens bis in die heutige Zeit aus geschlechterkritischer Perspektive nach und wirft ein Licht auf die vielfältigen Ansätze feministischer Kritik, die sich bis heute in rechtspolitischen Debatten widerspiegeln.

Friederike Wapler ist seit 2016 Inhaberin des Lehrstuhls für Rechtsphilosophie und Öffentliches Recht an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören neben Geschichte und Gegenwart der feministischen Rechts- und Sozialphilosophie das Recht der Kindheit, Jugend und Familie sowie Fragen der demokratischen Gleichheit und sozialen Gerechtigkeit in pluralistischen Gesellschaften.

Zur Ringvorlesung:

Die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts war nie ein bloßes soziales Phänomen. Vielmehr wurde (und wird) sie durch Recht normativ abgesichert und „legitimiert“. Schon aus diesem Grund musste eine Politik der Geschlechtergleichstellung immer auch Rechtspolitik sein, ging es doch darum, rechtliche Benachteiligungen abzubauen und im Weiteren das Recht als Medium zur Gleichstellung einzusetzen. Schließlich ist Recht ein bedeutendes Mittel zur Steuerung der Gesellschaft; es ist demokratisch legitimiert, auf die Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet und wird in institutionalisierter Weise durchgesetzt.

Die Vorträge der Ringvorlesung widmen sich der Frage, ob solche Hoffnungen berechtigt sind. Dabei wird zunächst ideengeschichtlich angesetzt: Im Rahmen einer umfassenden Geschlechterhierarchie wurde „Frau sein“ zunächst gar nicht als mit der aufklärerischen Idee freier Entfaltung vereinbar gesehen – unter Berufung auf die Natur der Geschlechter ebenso wie auf die ihnen zugeschriebenen typischen Räume, Öffentlichkeit und Privatheit. Diese Dichotomie ist auch ein zentraler Faktor für mangelnde Berücksichtigung von Frauenrechten als Menschenrechten, da wesentliche – im Privaten liegende – Gefährdungslagen gar nicht wahrgenommen werden konnten. Neue Komplexitäten der Wahrnehmung von Geschlecht wie von weiteren, mit dem Geschlecht verwobenen Diskriminierungsgründen werden im menschenrechtlichen Kontext, im europäischen Antidiskriminierungsrecht, aber auch im Flüchtlingsrecht untersucht. Und schließlich wird die Frage der Rechtsfindung als Frage nach der Handlungsmacht von JuristInnen gestellt – und danach, in welcher Weise Strukturen der Rechtsfindung gendersensibel gestaltet werden können.

 

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