Ringvorlesung Gender Studies „Recht und Geschlecht“

Datum & Uhrzeit: 10. Okt 2017 , 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Juridicum Dachgeschoß (Top floor) » Wo ist das?

 

Elisabeth Holzleithner: Einführung

Elisabeth Holzleithner ist Universitätsprofessorin für Rechtsphilosophie und Legal Gender Studies an der Universität Wien. Sie ist Leiterin des Instituts für Rechtsphilosophie der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, Sprecherin des Forschungsverbundes Gender und Agency (seit Mai 2017), Mitglied des Forschungszentrums „Menschenrechte“ und Mitglied der Forschungsplattform „Religion and Transformation in Contemporary Society“. Sie wurde mehrfache  für ihre Forschungsleistungen ausgezeichnet (Käthe-Leichter-Preis für die Frauengeschichte der Arbeiterinnen und Arbeiter, Gabriele-Possaner-Staatspreis, Österreichischen Frauenringpreis). Forschungsschwerpunkte: Politische Philosophie mit Schwerpunkt auf Menschenrechten und Theorien der Gerechtigkeit; Legal Gender & Queer Studies; Recht und Literatur, Recht und Populärkultur.

Zur Ringvorlesung:

Die Benachteiligung aufgrund des Geschlechts war nie ein bloßes soziales Phänomen. Vielmehr wurde (und wird) sie durch Recht normativ abgesichert und „legitimiert“. Schon aus diesem Grund musste eine Politik der Geschlechtergleichstellung immer auch Rechtspolitik sein, ging es doch darum, rechtliche Benachteiligungen abzubauen und im Weiteren das Recht als Medium zur Gleichstellung einzusetzen. Schließlich ist Recht ein bedeutendes Mittel zur Steuerung der Gesellschaft; es ist demokratisch legitimiert, auf die Einhaltung der Menschenrechte verpflichtet und wird in institutionalisierter Weise durchgesetzt.

Die Vorträge der Ringvorlesung widmen sich der Frage, ob solche Hoffnungen berechtigt sind. Dabei wird zunächst ideengeschichtlich angesetzt: Im Rahmen einer umfassenden Geschlechterhierarchie wurde „Frau sein“ zunächst gar nicht als mit der aufklärerischen Idee freier Entfaltung vereinbar gesehen – unter Berufung auf die Natur der Geschlechter ebenso wie auf die ihnen zugeschriebenen typischen Räume, Öffentlichkeit und Privatheit. Diese Dichotomie ist auch ein zentraler Faktor für mangelnde Berücksichtigung von Frauenrechten als Menschenrechten, da wesentliche – im Privaten liegende – Gefährdungslagen gar nicht wahrgenommen werden konnten. Neue Komplexitäten der Wahrnehmung von Geschlecht wie von weiteren, mit dem Geschlecht verwobenen Diskriminierungsgründen werden im menschenrechtlichen Kontext, im europäischen Antidiskriminierungsrecht, aber auch im Flüchtlingsrecht untersucht. Und schließlich wird die Frage der Rechtsfindung als Frage nach der Handlungsmacht von JuristInnen gestellt – und danach, in welcher Weise Strukturen der Rechtsfindung gendersensibel gestaltet werden können.

 

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