Studienliteratur

Im Folgenden stellen wir einige grundlegende Werke zu den Legal Gender Studies vor, die zur Einarbeitung in die Materie dienen können:

→ Lehrbücher
→ Sammelbände
→ Geschichte
→ Quellensammlungen
→ Sonstiges


Lehrbücher:

Lena Foljanty/ Ulrike Lembke (Hrsg.): Feministische Rechtswissenschaft – Ein Studienbuch, 2. Auflage 2012.

Dieses Standardwerk zur Einführung in die Legal Gender Studies behandelt historische und theoretische Grundlagen, nationales und internationales Antidiskriminierungsrecht, die Bedeutung der Kategorie „Geschlecht“ in Rechtswissenschaft, Rechtspraxis und Rechtspolitik sowie Intersektionalität.

Nach einer Einleitung, die einen Überblick darüber verschafft, was unter feministischer Rechtswissenschaft zu verstehen ist, werden in einem Grundlagenteil zunächst die historische Entwicklung von Frauenrechten, feministische Theorien und Debatten sowie wesentliche Strömungen der feministischen Rechtswissenschaft dargestellt. Der nächste große Abschnitt beschäftigt sich mit Antidiskriminierungsrecht auf nationaler und internationaler Ebene. Nach der Darstellung des verfassungsrechtlichen Gleichheitssatzes wird auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und dessen europäische Wurzeln eingegangen, Ausführungen zu völkerrechtlichen Diskriminierungsverboten runden diesen Teil ab.

Im folgenden Abschnitt werden Rechtsfragen aus besonders relevanten Bereichen wie der Erwerbsarbeit, der Haus- und Sorgearbeit, der Reproduktion und des Familienlebens, der Sexualität und Geschlechtsidentität, des Gewaltschutzes sowie zu Migration und Flucht erörtert. Der letzte Abschnitt des Studienbuches befasst sich mit Politik, also (Geschlechter)Demokratie und Repräsentation einerseits sowie möglichen Strategien zur Umsetzung feministischer Ziele andererseits.

Das Studienbuch vermittelt grundlagenbasiert verschiedene Debatten der feministischen Rechtswissenschaft und eignet sich daher sehr gut zum Einstieg in die Thematik.

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Rezensionen zur Erstauflage:

Rezensionen zur Zweitauflage:


Elisabeth Greif/ Eva Schobesberger: Einführung in die Feministische Rechtswissenschaft – Ziele, Methoden, Theorien, 2. Auflage 2007.

Dieses Lehrbuch wurde von Elisabeth Greif und Eva Schobesberger insbesondere für Studierende des Schwerpunktes „Frauenrecht“ an der Universität Linz verfasst. Es soll den Einstieg in die Themen der feministischen Rechtswissenschaft ermöglichen.

Dafür werden nach einer Einleitung zunächst historische Strukturen des Geschlechterverhältnisses seit dem 17. Jahrhundert dargestellt. Im folgenden dritten Kapitel werden die verschiedenen feministischen Strömungen und Theorien skizziert, die sich der Anknüpfungspunkte Gleichheit und Differenz bedienen. Es wird das Konzept der Zweigeschlechtlichkeit der Gesellschaft als soziale Konstruktion vorgestellt sowie die Queer Theory erläutert.

Das vierte Kapitel widmet sich der feministischen Rechtswissenschaft, die das Recht mit besonderem Augenmerk auf seine geschlechtliche Relevanz analysiert, und ihren Methoden, insbesondere der Interpretation bzw. Auslegung des geltenden Rechts. Das anschließende Kapitel befasst sich eingehend mit dem Gleichheitssatz aus Art. 2 Staatsgrundgesetz (Österreich). Abschließend werden mögliche rechtliche und politische Wege zur Gleichstellung erörtert, wobei z.B. der Ausbau des Antidiskriminierungsrechts, Frauenförderung und Quotenregelungen und das Konzept des Gender Mainstreaming diskutiert werden.

Besonders hervorzuheben sind die profunden Grundlagen, die Greif/Schobesberger durch die ausführlichen und verständlich verfassten Erläuterungen zur Gender Theory vermitteln. Die methodische Herangehensweise an Auslegungs- bzw. Interpretationsfragen des Rechts aus feministischer Perspektive ermöglicht es dem/der Leser/in sich auch weitergehend systematisch mit Fragestellungen auf dem Gebiet der Legal Gender Studies auseinanderzusetzen. Dieses Werk vermittelt die Grundlagen feministischer Rechtswissenschaft und eignet sich daher sehr gut zum Einstieg in die Legal Gender Studies – auch für Studierende jenseits der Universität Linz.

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Elisabeth Holzleithner: Recht Macht Geschlecht – Legal Gender Studies. Eine Einführung, 2002.

Dieses Lehrbuch widmet sich explizit den Legal Gender Studies, also der Problematik des Geschlechterverhältnisses im Rechtsdiskurs. Dabei gibt das Buch zunächst einen prägnanten und schön zu lesenden Überblick über wesentliche Strömungen feministischer Theorie (Gleichheitsfeminismus, Differenzfeminismus, Dominanzfeminismus, Queer Studies etc.) in ihrem jeweiligen Bezug zu Rechtsdiskursen. Das Rechtssystem wird als Herrschaftssystem dechiffriert, welches nicht einfach auf „Geschlecht“ als vorgegebene Größe reagiert, sondern „Geschlecht“ selbst herstellt, wie anschaulich anhand der Regelungen zu sexueller Identität, Geschlechtseintrag, Vornamenswahl und sexueller Orientierung dargestellt wird. Das solcherart hergestellte oder doch zumindest bestätigte „Geschlecht“ erweist sich dann als hierarchische Kategorie, anhand derer Rechte, Freiheiten und Ressourcen verteilt werden (meist zu Ungunsten des „weiblichen“ Parts).

Nachdem so eine Vorstellung zur Problematik von „Geschlecht“ im Rechtsdiskurs gewonnen werden konnte, wird auf die rechtspraktischen Schritte zur Geschlechterdemokratie in Österreich und der EU eingegangen, wobei die wesentlichen Themen der Entgeltgleichheit, der Familienrechtsreform, des Gleichbehandlungsgrundsatzes und der Quotenregelungen sowie das Konzept des Gender Mainstreaming vorgestellt werden. Ein weiterer wichtiger Themenbereich ist die sexuelle Autonomie, welche sich nicht in der Abwehr sexualisierter Gewalt mit Mitteln des Rechts erschöpft. Vielmehr geht es auch um die Geschlechtsidentität und die Abweichung von herrschenden Geschlechternormen durch verschiedene und sich wandelnde Geschlechtsidentitäten, Trans- und Intersexualität sowie die rechtlichen Regelungen in diesen Bereichen.

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Rezension:


Tove Stang Dahl: FrauenRecht – eine Einführung in feministisches Recht, 1992.

Tove Stang Dahl lehrte und forschte bereits vor über 35 Jahren an der Juristischen Fakultät der Universität Oslo zum Thema „Frauenrecht“. In ihrem Werk zur Einführung in feministisches Recht beschäftigt sie die Frage, warum innerhalb der Rechtswissenschaft die Geschlechterperspektive relevant ist: Die „Frauenperspektive“ schafft einen systematischen Querschnitt durch die bestehenden Rechtsregeln, um dadurch ansonsten unbeachtete, jedoch für alle Bürger/innen und insbesondere für Frauen unmittelbar bedeutungsvolle Zusammenhänge aufzuspüren. Die Begriffe „Diskriminierung“ und „Gleichheit“ werden zentral behandelt. Quellen und Methoden feministischen Rechts werden vorgestellt: Dabei wird auf drei verschiedene Gegenstandsbereich Bezug genommen: Empirie über weibliche Lebensverhältnisse und die Wirkungsweise der Rechtsregeln, Rechtsquellen und Rechtsdogmatik und schließlich die frauenrechtlichen Belange, die dieser Forschungsarbeit zugrunde liegen. Als „frauenrechtliche Belange“ bezeichnet Tove Stang Dahl diejenigen Analyseinstrumente, die als Kriterien bei Aufbau und Systematik des Frauenrechts und als richtungsweisende Perspektive bei Reformvorschlägen beachtet werden sollen. Thematisiert werden außerdem Gleichstellung und Geburtenrecht, die ökonomische Position der Frau aus juristischer Perspektive und sozialrechtliche Aspekte der Rechtsposition der Frau (die Diskussion eines Hausfrauenrechts am Beispiel der Pflegezulage und die Rechtsposition der Frau im System der Arbeitslosenversicherung).


Theresia Degener/Susanne Dern/Heike Dieball/Dorothee Frings/Dagmar Oberlies/Julia Zinsmeister: Antidiskriminierungsrecht – Handbuch für Lehre und Beratungspraxis mit Lösungsbeispielen und typischen Fallgestaltungen, 2008.

Vielerorts hat das Antidiskriminierungsrecht noch keinen Eingang in die universitäre bzw. praktische Ausbildung gefunden oder wird nur „nebenher“ thematisiert. Dieses kompakte Handbuch gibt einen praxisorientierten Überblick über Fallkonstellationen und Lösungsmöglichkeiten des Antidiskriminierungsrechts und schließt die Lücke in den Ausbildungsplänen. Behandelt werden zunächst (1. Kapitel) sozialwissenschaftliche und rechtwissenschaftliche Grundlagen. Anschließend (2. Kapitel) werden typische Diskriminierungserfahrungen und rechtliche Handlungsmöglichkeiten dargestellt. Es werden Diskriminierungen aufgrund rassistischer Zuschreibung oder ethnischer Herkunft, Religion und Weltanschauung, Geschlecht, Behinderung, Alter und sexueller Identität definiert und rechtliche Handlungsinstrumentarien vorgestellt. Das 3. Kapitel gibt einen Überblick über die Regelungen des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes und behandelt verschiedene Fälle von Diskriminierungen im Erwerbsleben, Diskriminierungen im Zivilrecht und Diskriminierungen durch Behörden und im Bereich des öffentlichen Rechts. Das Handbuch ist sehr verständlich geschrieben und eignet sich insbesondere durch den ständigen Praxisbezug sehr gut zum Einstieg in das Antidiskriminierungsrecht.

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Rezension:

  • Sabine Scholz, in: STREIT 4/2007, S. 180-181.

Sammelbände:

Christine Hohmann-Dennhardt/Marita Körner/Reingard Zimmer (Hrsg.): Geschlechtergerechtigkeit – Festschrift für Heide Pfarr, 2010.

Die Festschrift ist der berühmten deutschen Arbeitsrechtlerin Heide Pfarr gewidmet. Heide Pfarr war Professorin für Arbeitsrecht an der Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und der Universität Hamburg, deren Geschicke sie auch als Vizepräsidentin mitbestimmte. Im Rahmen ihrer politischen Tätigkeit war sie unter anderem Senatorin für Bundesangelegenheiten in Berlin und Ministerin für Frauen, Arbeit und Sozialordnung in Hessen. Zuletzt war sie als Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts und Geschäftsführerin der Hans-Böckler-Stiftung tätig. Sie veröffentlichte zahlreiche Schriften zur Gleichberechtigung der Geschlechter im Erwerbsleben.

Die Beiträge der Soziolog/innen, Politolog/innen, Ökonom/innen und Jurist/innen in der Festschrift beschäftigen sich unter verschiedenen Aspekten mit den Themen Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt, Antidiskriminierung, Gleichstellung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dabei werden aktuelle Debatten, aber auch seit Längerem in der Diskussion befindliche Fragen wie die Gleichstellung der Geschlechter in der Privatwirtschaft, die Arbeit von Frauen in Care- und prekären Berufen sowie sozialrechtspolitische Themen wie die fiktive (Nicht-) Hilfebedürftigkeit als eine Fehlsteuerung des SGB II aufgegriffen. Die Festschrift gewährt so einen umfassenden Einblick in den Stand der derzeitigen Diskussionen zum Thema Arbeit und Geschlechtergerechtigkeit.

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Rezensionen:

  • Sabine Berghahn, in: Femina Politica 2/11.
  • Monika Schlachter, in: EuZA 3/2011.

Beate Rudolf (Hrsg.): Geschlecht im Recht – Eine fortbestehende Herausforderung, 2009.

Dieses Jahrbuch versammelt Beiträge aus verschiedenen Gebieten des deutschen Rechts – vom Verfassungsrecht über das Einwanderungsrecht bis hin zum Strafrecht und dem Arbeits- und Sozialrecht.

Der Beitrag „Recht und Rechtswissenschaft im Dialog mit Frauen- und Geschlechterstudien“ gibt zunächst einen Einblick in Themenfelder der Legal Gender Studies und Schnittstellen der Rechtswissenschaften und der Frauen- und Geschlechterstudien. Anschließend werden die Entwicklung und der Stand feministischer Rechtswissenschaft skizziert. In den Beiträgen wird außerdem Geschlecht und Identität im Rechtsdiskurs thematisiert sowie der Gegenstand und die Chancen einer feministischen Staatsrechtslehre hinterfragt. Weitere Beiträge befassen sich mit Genderfragen im Asyl- und Zuwanderungsrecht, Frauen als Opfer und Täterinnen von Straftaten, dem Frauenbild des Bundesverfassungsgerichts, der Erwerbstätigkeit und der Stellung von Frauen im Arbeits- und Sozialrecht sowie dem Weg von Frauen in die juristischen Berufe.

Gemeinsam ist allen Beiträgen das Streben nach einer Ausgestaltung des Rechts, die Frauen autonome Lebensgestaltung und gleichberechtigte Teilhabe an alle Bereichen des politischen und sozialen Lebens gewährleistet. Besonders die unterschiedlichen Perspektiven aus verschiedenen juristischen Disziplinen machen dieses Jahrbuch so lesenswert.

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Kathrin Arioli/Michelle Cottier/Patricia Farahmand/Zita Küng (Hrsg.): Wandel der Geschlechterverhältnisse durch Recht?, 2008.

Der Sammelband ist die Dokumentation eines Kongresses „Recht und Gender Studies“ von Jurist/innen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland 2006 an der Universität Zürich, dessen Leitfrage der Titel des Buches ist. Neben den Beiträgen der Vortragenden des Kongresses beinhaltet das Sammelwerk auch Kommentare von Praktikerinnen zu den Beiträgen.

Dieses Werk geht somit einer Frage nach, die feministische Jurist/innen seit jeher umtreibt: Sind die Mittel des Rechts geeignet, Geschlechterverhältnisse gerecht(er) zu gestalten, erweist sich das Recht als Antrieb oder eher als Bremse beim Wandel der Geschlechterverhältnisse? Auf der Suche nach möglichen Antworten beschäftigen sich die Beiträge mit den Themenfeldern Politik, Arbeit, Familie, Körper und Migration.

Einen Einstieg in die Debatte ermöglichen dabei der Beitrag von Elisabeth Holzleithner, in dem sie unterschiedliche Einschätzungen des gesellschaftlichen Veränderungspotentials von Recht innerhalb der Feministischen Rechtswissenschaften und den Legal Gender Studies skizziert, sowie der Beitrag von Susanne Baer, in dessen Zentrum die Herausforderungen aktueller Gleichstellungspolitik insbesondere im Kontext des sich auf eine Vielzahl von Differenzkategorien beziehenden Antidiskriminierungsrechts stehen.

Die weiteren Beiträge widmen sich den Themenbereichen Frauenbewegung und Feminismus als Antrieb für Rechtsreformen und Gleichstellung in der Arbeitswelt im internationalen Vergleich (u.A. Schweiz, Tschechien, Deutschland). Diskutiert wird außerdem der Umbruch der Geschlechterverhältnisse in der Familie: Die Beiträge befassen sich hierbei mit dem deutschen Ehegattenunterhalt, Scheidungsprozessen aus historischer Sicht und der rechtlichen Verteilung der Geschlechterrollen in der Schweiz. Am Beispiel von Sterilisationsgesetzen und dem Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen werden Normierungen des Geschlechtskörpers im Wandel dargestellt und analysiert. Abschließend werden die Herausforderungen von Einwanderungsgesellschaften thematisiert, wobei Gendergleichheit und Mehrfachdiskriminierungen sowie die daraus erwachsenden Herausforderungen für das Europarecht Gegenstand sind.

Der Sammelband gibt wesentliche aktuelle Debatten zu den Legal Gender Studies im deutschsprachigen Raum wieder und ist auf Grund seiner Vielfalt und Kontroversen für einen Einstieg in die Thematik besonders geeignet.

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Rezensionen:


Verein Pro FRI –Schweizerisches Feministisches Rechtsinstitut (Hrsg.): Recht Richtung Frauen, 2001.

Dieser Sammelband vereint Texte von fünfzehn Wissenschaftlerinnen, die kritisch über die Bedeutung und Wirkung des Rechts für und auf Frauen nachdenken. Dabei werden theoretische und praktische Fragestellungen aus den Fachrichtungen Recht, Philosophie, Theologie, Geschichte, Pflegewissenschaft und Psychologie bearbeitet, wobei der Fokus auf rechtswissenschaftlichen Fragestellungen liegt. Unter Anderem werden Perspektiven der Geschlechterforschung in der Rechtswissenschaft analysiert, geschlechtsspezifische Aspekte des Bürgschaftsvertrags herausgearbeitet, Probleme der rechtlichen Bekämpfung sexualisierter Gewalt dargestellt und Frauenberufe aus juristischer und pflegewissenschaftlicher Perspektive unter die Lupe genommen. Außerdem werden internationale Themen wie das Übereinkommen gegen jede Form von Diskriminierung der Frau, die rechtliche Stellung von Frauen in den skandinavischen Ländern und die Frage von Geschlechterquoten thematisiert. Die vorliegende Sammlung zeigt die Reichweite feministischer Rechtswissenschaft auf und weist den Weg zu einem neuen Rechtsverständnis.

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Rezension:

  • Michelle Cottier, in: plädoyer 6/2011, S. 17.

Ute Gerhard/Mechthild Jansen/Andrea Maihofer/Pia Schmid (Hrsg.): Differenz und Gleichheit – Menschenrechte haben (k)ein Geschlecht, 1990.

Dieses Werk beschäftigt sich mit Emanzipationskonzepten zwischen Gleichheit und Geschlechterdifferenz. Die Beiträge mit internationalen Bezügen behandeln zentrale Diskussionen der Frauenforschung und Frauenbewegung und thematisieren sowohl historische als auch politische Hintergründe. Die einzelnen Kapitel widmen sich der Bedeutung der Frauen in der französischen Revolution, verschiedenen Emanzipationskonzepten der Frauenbewegung, Reproduktionstechnologien und Menschenrechten, der historischen Entwicklung und der gegenwärtigen Rechtsstellung der Frau in der bürgerlichen Gesellschaft und dem Ausschluss der Frauen aus den Menschenrechten, der Geschlechterideologie von der „natürlichen Bestimmung der Frau“, sowie der Geschlechterproblematik im bürgerlichen demokratischen Verständnis. Schließlich wird die im Titel aufgeworfene Frage, ob Menschenrechte ein Geschlecht haben, aufgegriffen und die mögliche Notwendigkeit geschlechtsdifferenzierter Rechte diskutiert. Ein Klassiker, dessen Fragestellungen bis heute diskutiert werden!

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Rezension:

  • Susanne Baer, in: Das Argument (3) 1991, S. 482-485.

Geschichte:

Deutscher Juristinnenbund e.V. (Hrsg.): Juristinnen in Deutschland – Die Zeit von 1900 bis 2003, 4. Auflage 2003.

Dass Frauen zum Studium der Rechtswissenschaften erstmalig 1900 in Baden, zur 1. juristischen Staatsprüfung am 1. August 1912 in Bayern (in Preußen erst 1919) zugelassen wurden, wer weiß das heute noch? Erst mit Wirkung vom 1. Juli 1922 konnten Frauen die Zulassung zum Richteramt erwerben und damit z.B. Richterinnen, Staatsanwältinnen und Rechtsanwältinnen werden. Der Zugang zu Studium und Beruf wurde vor allem von dem 1914 gegründeten Deutschen Juristinnenverein erkämpft. Ab 1933 wurden die Frauen durch gesetzliches Verbot aus ihren Berufen verdrängt und konnten erst nach 1945 wieder als Juristinnen arbeiten. Das erste Kapitel dieses Werks beschreibt die Situation von Juristinnen seit 1900 und stellt dabei insbesondere den Kampf um die Zulassung zur juristischen Ausbildung und zum juristischen Vollberuf, die Verdrängung der Frauen aus den juristischen Berufen während des Nationalsozialismus und die Entwicklung für Juristinnen in Deutschland nach 1945 bis 1990 dar.

Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit den rechtspolitischen Forderungen von Juristinnen in den Themenfelder Gleichberechtigung (insb. Art. 3 GG), Familie, Strafrecht (insb. Schwangerschaftsabbruch, Vergewaltigung in der Ehe, häusliche Gewalt), Reproduktion, Gleichstellung im Erwerbsleben, Zuwanderung und Berufsplanung. Das dritte Kapitel porträtiert die Lebensbilder von Juristinnen wie Marie-Elisabeth Lüders, Annelies Kohleiss, Helga Seibert, u.v.m. Diese Lebensbilder stellen kurz die wichtigsten Informationen zur Person dar und fassen deren rechtspolitischen Forderungen bzw. Errungenschaften zusammen. Diese kurze und prägnante Form macht die Portraits sehr informativ und interessant.

Das Werk dokumentiert den dornenreichen Weg der Juristinnen in Deutschland von 1900 bis 2003 und stellt gleichzeitig die Arbeit des Deutschen Juristinnenbundes und den Einsatz der Juristinnen für die Durchsetzung der Gleichberechtigung der Frauen insbesondere in der Gesetzgebung dar. Ein absoluter Klassiker im Hinblick auf die historische Entwicklung von Frauen in juristischen Berufen.

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Rezension:


Ute Gerhard (Hrsg.): Frauen in der Geschichte des Rechts. Von der frühen Neuzeit bis zur Gegenwart, 1990.

Das von Ute Gerhard herausgegebene Handbuch legt die zum Teil verschüttete Rechtsgeschichte der Frauen frei. Beiträge von  43 Wissenschaftler/innen fordern historisch und rechtspolitisch interessierte Leser/innen heraus, sich über konkrete geschichtliche Analysen und theoretische Reflexionen einen Weg zu einem sozial- und rechtskritischen Geschichtsverständnis zu schaffen. Über die verschiedenen Epochen hinweg und über das positive Recht hinausgreifend thematisiert dieses Buch die stete Diskrepanz zwischen rechtlichem Ideal und gesellschaftlicher Wirklichkeit.

Der erste Teil des Werkes beschäftigt sich mit der Ordnung der Geschlechter in der Ständegesellschaft der Frühen Neuzeit, der zweite Teil skizziert Gleichheitspotentiale der Aufklärung und die Befestigung hierarchischer Geschlechterverhältnisse zwischen 1780 und 1850 und im dritten Teil werden die Kämpfe um Gleichberechtigung und die Gestaltung neuer Rechtswirklichkeiten im 19. und 20. Jahrhundert erläutert.

Dieses Werk deckt Hintergründe auf und klärt den/die Leser/in durch rechtshistorische Auseinandersetzung mit der Position von Frauen im Recht darüber auf, warum bestimmte Entwicklungen stattgefunden haben.

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Quellensammlungen:

Andrea Büchler/Michelle Cottier (Hrsg.): Legal Gender Studies. Rechtliche Geschlechterstudien. Eine kommentierte Quellensammlung, Zürich/St. Gallen, 2012.

Diese kommentierte Quellensammlung führt in die wichtigsten theoretischen Positionen der Legal Gender Studies und, mit einem speziellen Fokus auf die Schweiz, in die wichtigsten Rechtsentwicklungen im Themenfeld Recht und Geschlecht ein. Die Darstellung folgt dabei den Leitbegriffen Gleichheit – Differenz – Konstruktion:

Die Perspektive der Gleichheit fragt nach der angemessenen theoretischen Konzeption der Geschlechtergleichheit und dem Verbot der Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Behandelt wird die Rechtsentwicklung im Bereich der politischen Rechte, der verfassungsrechtlichen Gleichheitsgarantie, der Gleichstellung im Arbeits- und Berufsleben und im Eherecht, wie auch der Einfluss des internationalen Rechts (EMRK, CEDAW) und des Rechts der EU.

Unter dem Titel der Differenz gelangen theoretische Ansätze zur Darstellung, die nach Alternativen zu gängigen Vorstellungen von Gleichheit und Gerechtigkeit suchen und etwa im Rahmen einer Fürsorgeethik oder einem eigenen Frauenrecht die Aufwertung weiblich konnotierter Wertorientierungen und Lebensrealitäten fordern. Zudem werden neuere Theorieentwicklungen vorgestellt, die das Zusammenwirken verschiedener Achsen der Differenz (Geschlecht, «Rasse», Klasse etc.) thematisieren.

Der Ansatz der Konstruktion schliesslich orientiert sich an aktuellen Ansätzen der Gender Studies, die Geschlecht als Resultat komplexer gesellschaftlicher Konstruktionsprozesse betrachten. Diskutiert wird die Rolle des Rechts in der Regulierung von Geschlecht und Sexualität anhand der Beispiele Männlichkeit, sexuelle Gewalt und Pornographie, Reproduktion, sexuelle Orientierung und Transgender-Identitäten.

Das Buch eignet sich sowohl als erste Einführung wie auch als Ausgangspunkt für vertieftere Studien.

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Ute Gerhard/Petra Pommerenke/Ulla Wischermann (Hrsg.): Klassikerinnen feministischer Theorie, Band I (1789-1919), 2008.
Ulla Wischermann/Susanne Rauscher/Ute Gerhard (Hrsg.): Klassikerinnen feministischer Theorie, Band II (1920-1985), 2010.

Diese Quellensammlung besteht aus zwei Bänden und beinhaltet Texte von Feministinnen zwischen 1789 und 1985. Die Texte enthalten Forderungen, die seit der Französischen Revolution gestellt, die Moderne als demokratisches Projekt verstehen und vorantreiben wollen. Die Quellensammlung gibt die Diskurse, Debatten und Theorien von Feministinnen anhand der oft schwer zugänglichen Texte wider. Für jede Quelle haben die Autorinnen einführende Texte verfasst, die eine kurze charakteristische Biographie zur Verfasserin und ihrem Werk, sowie Informationen zu dem Text, dem historischen Kontext und der Bedeutung des Textes in der Geschichte der Frauenbewegung enthalten. Die Quellensammlung ist bewusst nicht auf deutsche Autorinnen beschränkt, sondern beinhaltet ebenfalls Texte von Autorinnen aus anderen Ländern, um internationale Verknüpfungen und den frühen Austausch zwischen den Frauenbewegungen aufzuzeigen.

Die Quellensammlung zeichnet sich dadurch aus, dass Originale abgedruckt sind, die durch Kommentare oder vorangestellte Einführungen eingebettet sind, sodass der/die Leser/in ein Verständnis für die Umstände der Entstehung des Textes bekommt. Das Buch richtet sich an alle, die mehr über die Geschichte der Frauen wissen wollen, vor allem auch an Studierende der verschiedenen geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen. Aber auch für einen Einstieg in die Beschäftigung mit einzelnen Themen und Hintergründen der Legal Gender Studies eignet es sich gut.

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Ilse Lenz (Hrsg.): Die neue Frauenbewegung in Deutschland: Abschied vom kleinen Unterschied. Eine Quellensammlung, 2. Aufl. 2010.

Die Neuen Frauenbewegungen haben Selbstbestimmung, Gleichheit, Zuwendung und einen neuen Eros gefordert und sie haben die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland grundlegend verändert. Dabei haben sie sich auch selbst transformiert.

Der Band dokumentiert ihre über 250 wichtigsten Quellen und stellt sie in ihrer Vielfalt und ihren Veränderungen vor. Der Band eröffnet einen einzigartigen Zugang zu den Kontroversen um Geschlecht und gesellschaftlichen Wandel in Deutschland seit 1968. Die Quellensammlung stellt durch die bekannten und teilweise auch weniger bekannten Texte eine Vielzahl von Strömungen und Themenfeldern aus 40 Jahren deutscher Frauenbewegung dar.

Jeder Originalquelle ist ein fundierter Einführungstext vorangestellt, sodass Leser/innen den jeweiligen Text gut einordnen und verstehen können. Außerdem zeichnet sich die Quellensammlung durch die Einbeziehung der Äußerungen emanzipierter Männer in die Betrachtung aus. Die Texte sind weiterhin aktuell angesichts der Debatten um die Zukunft der Arbeit, der Familie und des Friedens vor Ort und auf globaler Ebene.

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Sonstiges:

Anna Dünnebier/Ursula Scheu: Die Rebellion ist eine Frau – Anita Augspurg und Lida G. Heymann, das schillerndste Paar der Frauenbewegung, 2002.

Die beiden im publizistischen Umkreis von Alice Schwarzer tätigen Autorinnen Anna Dünnebier und Ursula Scheu haben einem „schillernden“ Paar der deutschen Frauenbewegung diese engagierte Biographie gewidmet. Anita Augspurg, 1857 in Verden an der Aller geboren und 1943 im Zürcher Exil verstorben, hatte als erste Frau Deutschlands 1897 einen juristischen Doktor erlangt. 1903 gründete sie den Deutschen Verband für Frauenstimmrecht, zugleich wird sie eine der Führenden in der Internationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit. Lida Gustava Heymann, aus vermögenden Hanseatischen Kreisen stammend und zehn Jahre jünger als die in Bohèmekreisen verkehrende Anita Augspurg, ist hingerissen von der selbstbewussten Feministin. Die beiden werden ein Paar, das fortan weniger durch seine Lebensform als durch politische Aktivitäten Aufsehen erregt. Gegen den Hamburger Senat prozessieren sie wegen Zuhälterei, sie gründen das erste Mädchengymnasium Deutschlands, 1923 schon fordern sie beim Bürgermeister von München die Ausweisung Hitlers.

Diese Doppelbiographie zeichnet in spannender, lebendiger Weise chronologisch das Leben der beiden Frauen dar und ist daher absolut empfehlenswert.

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Rezension: