Proteste gegen Kriminalisierung konsensualer Sexualität in Indien

Aus aktuellem Anlaß fanden sich am 15. Dezember über 30 Menschen in Berlin zu einer erst am Vortag angekündigten Protestaktion ein, um die Diskriminierung und Verfolgung von Homosexualität in Indien vor der indischen Botschaft anzuprangern.

Am Mittwoch den 11. Dezember fällte das Oberste Gericht Indiens ein Urteil, mit welchem es den Abschnitt 377 wieder ins dortige Strafgesetz aufnahm. Abschnitt 377 stellt eine Reihe ‘unnatürlicher’ sexueller Praktiken unter bis zu lebenslange Haftstrafe. Dies meint im Grunde alle nicht zur Fortpflanzung geeigneten sexuellen Handlungen, also homosexeulle Beziehungen aber auch z.B. Oralverkehr. Effektiv bedeutet dies eine Rekriminalisierung von Homosexualität in Indien. Ein Gericht in Delhi hatte 2009 in einem weitsichtigen Urteil erklärt, dass einvernehmliche sexuelle Akte zwischen Erwachsenen – und also auch Homosexualität – legal seien und dass der Abschnitt 377 aufgrund seines Eingriffes in die Menschenrechte und die Privatsphäre nicht verfassungskonform sei. Das Gesetz war 1861 während der britischen Kolonialherrschaft und zur Hochzeit des Viktorianismus kodifiziert worden und findet sich nahezu wortgleich auch in allen anderen (ehemaligen) britischen Herrschaftsgebieten wieder. Viele der postkolonialen Staaten – so auch Indien – haben das Gesetz nie abgeschafft.

Für die Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender in Indien hatte die Entscheidung von 2009 bedeutet, dass es nunmehr zum Beispiel möglich war, Clubs offen zu betreiben und dass Menschen nicht mehr so leicht durch die Polizei und Dritte erpresst werden konnten. Vor allem aber hatte das Gericht ein Zeichen gegen die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung gesetzt und das Recht auf die Privats- und Intimsphäre aller Bürgerinnen und Bürger gestärkt. Gegen die regressive Entscheidung des Obersten Gerichts vom Mittwoch gingen am Sonntag, dem kurzfristig ausgerufenen ‘Global day of Rage’, Menschen in 36 Städten der Welt auf die Straße und verlangten, das der Abschnitt 377 nun endlich abgeschafft wird und dass das Oberste Gericht die Menschenrechte und Privatsphäre indischer Bürgerinnen und Bürger anerkennt und fördert statt sie einzuschränken.

Proteste fanden statt in einer Reihe von indischen Städten (Ahmedabad, Bangalore, Bhopal, Bombay, Chennai, Delhi, Hyderabad, Kalkutta, Lucknow, Mangalore, Mysore, Nagpur, Puna) aber auch zum Beispiel in Ann Arbor, Berlin, Boston, Cambridge, Hamburg, Houston, London, Los Angeles, Montreal, New York, Philadelphia, San Francisco, Sydney, Toronto und Vancouver statt.

In Berlin versammelten sich über 30 Menschen am Mahnmal für die homosexuellen Verfolgten des Naziregimes im Tiergarten und liefen von dort entland der Potsdamer Straße bis zur indischen Botschaft. Zu den Anwesenden gehörten Menschen indischer Abstammung, queere Aktivisten und auch bekannte Persönlichkten wie Anne Roth (Bloggerin und Netz-Aktivistin) sowie Carsten Schatz und Klaus Lederer (die Linke). An der Botschaft wurde eine Stellungnahme, die auch die anderen 35 Städte weltweit verwendeten, zusammen mit Unterschriften und handgeschriebenen, teils persönlichen Nachrichten an einen Botschaftsangestellten überreicht und werden an den indischen Botschafter weitergeleitet.

Für weitere Informationen: https://www.facebook.com/events/656281994422645/?fref=ts
Die ursprüngliche Pressemitteilung (deutsch) findet sich hier:
http://377globaldayofrage.tumblr.com/post/69999177369/protest-gegen-die-re-kriminalisierung-von

Zum weltweiten Protest, siehe: http://377globaldayofrage.tumblr.com/
Bilder von der Berliner Aktion finden sich hier:
https://www.flickr.com/photos/anne_roth/11385756065/in/photostream/ und:
https://www.facebook.com/events/656281994422645/?fref=ts

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