CfP: Flucht, Asyl, Gender bis 30.11.2016

In der deutschsprachigen Forschung zu Flucht, Asyl und Flüchtlingsschutz haben Genderdimensionen bislang nur wenig Beachtung gefunden. Es existieren vereinzelt Arbeiten zur Situation weiblicher und homosexueller Flüchtlinge. Zweifellos steigt aufgrund der aktuellen Situation das Bewusstsein in Wissenschaft und Politik darüber, dass Menschen weltweit auf der Flucht, in Flüchtlingssituationen, in Transit- oder Aufnameländern von vielfältigen Gewalt- und Diskriminierungsformen aufgrund ihres Geschlechts betroffen sind. Jedoch konzentrieren sich die medialen und politischen Diskurse – wie auch Teile der aktuellen Forschung – auf sexuelle Gewalt von jungen, männlichen Geflüchteten an Frauen.

Dies fördert stereotype Diskurse über ‚Frauen als Opfer‘ und ‚Männer als Täter‘, über ‚maskuline Stärke‘ und ‚weibliche Verletzlichkeit‘. Öffentliche Diskurse tragen, wie u.a. die Debatten nach den Ereignissen in Köln zeigen, zur Reproduktion solcher Geschlechterstereotypen bei. Die Komplexität und Multidimensionalität von Fluchtkontexten und genderspezifische Fluchterfahrungen geraten jedoch häufig aus dem Blick. Geeignete Kommunikationsformen dafür zu finden, ist aber keineswegs einfach, denn Übergriffe werden politisch genutzt, um die Zuflucht und Zuwanderung als Bedrohung westlicher Gesellschaften, ihrer Werte und ihrer emanzipatorischen Errungenschaften zu inszenieren und Fluchtmigration letztlich durch restriktivere Politiken zu begrenzen.

Die gendersensible Auseinandersetzung mit Flucht, geflüchteten Personen und Flüchtlingsschutz – auch über die Grenzen von sexueller Gewalt an Frauen hinaus – ist dringend notwendig, insbesondere weil die Asyl- und Flüchtlingspolitik Genderdimensionen lange Zeit ausblendete. Das GENDER-Schwerpunktheft ‚Flucht, Asyl, Gender‘ möchte an diesen und weiteren blinden Flecken der Flüchtlingsforschung ansetzen und Beiträge zusammenführen, die Genderdimensionen in Fluchtkontexten jenseits stereotyper geschlechtlicher Zuschreibungen und binärer Kategorien diskutieren. Ziel des Schwerpunktheftes ist es, Flucht, Asyl und Gender in ihren Komplexitäten zu beleuchten und Forschungen, ggf. auch forschungsbasierte Praxisreflexionen, aus unterschiedlichen Perspektiven und Disziplinen zusammenzubringen.

Call for Papers mit Fragen zu sechs Themenschwerpunkten: CfP_Flucht_und_Gender